„DAS PRINZIP DER EINHEIT“

Alles ist mit allem verbunden


Phylosophisches Sachbuch


Autor: Karl-Heinz Rauscher



















Leseprobe


Vorwort


Das Prinzip der Einheit ist mir seit Jahrzehnten bekannt. Zunächst ließ es mich ziemlich kalt. Es war für mich nicht mehr als eine der vielen philosophischen Möglichkeiten, die Welt anzuschauen, eine Normvariante des Denkens. Was bedeutete es schon zu wissen, daß alles in der Welt eine Einheit bildet, wenn im täglichen Leben der Gegensatz regiert, das Gegeneinander, die Konkurrenz, das Recht des Stärkeren, das Recht des Reicheren. Allein schon der Kampf der Geschlechter hielt mich lange Jahre in Atem. Die Sehnsucht nach der Einheit mit einem geliebten Partner erfüllte sich manchmal. Das Gefühl der Einheit war für Minuten, Stunden, Wochen vielleicht erlebbar. Dann aber trat das Trennende dazwischen. Wenn es mit der Liebe zum anderen Geschlecht einigermaßen lief, war da immer noch der Kampf um die Existenz, der Beruf, das liebe Geld. Was muß man nicht alles auf sich nehmen, um den Lebensunterhalt für sich und die Seinen zu verdienen. Auch hier war von dauerhafter Einheit und Harmonie keine Spur. Hier waren die Reichen, die hatten was, behielten alles für sich und man konnte schauen, wo man blieb. Zudem war ich mir keineswegs sicher, ob ich wirklich innerlich eins sein wollte mit Leuten, die mir unsympathisch waren oder verdreckt auf der Straße saßen oder krank und sterbend. Gut, ich war damals schon Arzt, aber das ging mir doch zu weit. Ich war froh um die Trennung, um den Raum dazwischen.

Daß die duale, gegenständliche Welt und das große Ganze zusammengehören und paradoxerweise gleichzeitig existieren, ging mir erst auf, als ich im Jahr 1994 im Schwarzwald ein spirituelles Erleben geschenkt bekam. Der Gedanke, daß alles mit allem zusammenhängt, daß alles gleichermaßen dazugehört, daß es im Grunde Gut und Böse nicht gibt, stand mir mit aller Klarheit vor Augen. Von einer Minute auf die andere waren alle Zweifel ausgeräumt. Plötzlich wußte ich es. Es war kein bloßer Gedanke mehr, keine philosophische Möglichkeit, sondern eine Realität, die im Hintergrund immer da ist, immer wahr ist, egal, was ich vordergründig erlebe. Das Geschenk dieses Wissens kam im Doppelpack. Ich wußte in derselben Sekunde, daß damit ein innerer Auftrag verbunden war. Die Erfahrung der Einheit war so ungeheuerlich, daß ich diese Einsicht unmöglich für mich behalten konnte. Alle anderen sollten es auch erfahren, auch sie sollten Gewißheit haben. Es gab dabei nur ein Problem. Ich wußte nicht, wie ich diese Erfahrung weitergeben sollte. Es einfach nur zu erzählen war sicher nicht der richtige Weg. Wer sollte mir schon glauben? Der moderne Mensch braucht Beweise. Doch was würde überzeugen, was den Leuten ein Licht aufgehen lassen? Im ersten Versuch fotografierte ich das, was ich gesehen hatte. Es funktionierte nicht, konnte nicht funktionieren. Niemand war von den Fotos, die ich von schillerndem Gestein so sorgfältig gemacht hatte, beeindruckt. Meine innere Erfahrung war nur für mich bestimmt. Die anderen erreichte sie nicht. Meine Worte waren ihnen Schall und Rauch. Doch Aufgeben war keine Option. Der Größe der Aufgabe gemäß kündigte ich meine Tätigkeit als angestellter Arzt in der psychosomatischen Klinik. Denn ich ahnte, daß die neue Aufgabe die Freiheit der beruflichen Selbstständigkeit erfordern würde. Ein halbes Jahr fotografierte ich weiter, projizierte buchstäblich den Stein der Weisen auf die Leinwand, zog die Strukturen, die mich so sehr berührt hatten, mit dem Kohlestift nach. Es half alles nichts. Niemand sah die Bedeutung dessen, was ich ihnen vor Augen bringen wollte. Nach Monaten gab ich die akribische Arbeit mit Fotoapparat, Leinwand und Farbe auf und mußte mir eingestehen, daß ich auf dem Holzweg war. So einfach war es eben nicht. Vielleicht sollte nur ich es wissen. Die anderen mußten auf ihr eigenes Erleben warten oder eben leben, wie viele leben, gefangen in der Dualität, den Gegensätzen der menschlichen Existenz unwissend ausgeliefert bis an ihr Lebensende. Außerdem war mein Geld aufgebraucht. Ich war pleite. Also mußte ich wieder etwas tun, was die anderen wirklich wollten und brauchten, und wofür sie bereit waren, Geld auszugeben. Ich eröffnete eine Privatpraxis für Psychotherapie und widmete mich den alltäglichen Sorgen und Krankheiten meiner Mitmenschen.

Das spirituelle Erlebnis im Schwarzwald hatte mein Leben in andere Bahnen gelenkt. Aber mit der Aufgabe, anderen das Prinzip der Einheit nahe zu bringen, war ich zunächst gescheitert. Über die Jahre vergaß ich es. Doch als ich später zurückblickte, erkannte ich, daß dieses Prinzip in allem, was ich tat, mitwirkte. In der systemischen Familientherapie stellte ich in den Seelen meiner Klienten Ganzheit her, indem ich ihnen zeigte, wer in ihrem Familiensystem fehlte. In meinen Naturerfahrungsseminaren führte ich Menschen in den Wald, damit sie sich in der Nähe der Bäume und Pflanzen selbst finden mochten und in meinen Büchern befasste ich mich mit der Kraft der Gedanken. Dabei lernte ich selbst immer weiter, kam dem großen Geist in der indianischen Schwitzhütte nahe und erfuhr von einem alten, weisen Häuptling, den ich zu meinen Freunden zählen durfte, wie die Indianer die Natur sehen, in welch schöne Einheit sie sich mit allen Geschöpfen denken.

Im Laufe der Jahre wurde das Prinzip der Einheit zu einem festen Bestandteil meines Denkens. Bald wußte ich, daß viele drängende Probleme unserer Zeit damit gelöst werden könnten. In Anbetracht der Finanzkrise und der aktuellen Kriege auf der Erde bedachte ich das Prinzip der Einheit auch in den globalen wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen. Dabei wurde mir klar, daß die Menschheit auf eine noch größere Krise zusteuert, und daß das Wissen um das Prinzip der Einheit notwendig ist, damit wir diese Krise bewältigen können und der Untergang unserer Kultur oder gar der Menschheit selbst vermieden werden kann.

So entstand die Idee zu diesem Buch. Es stellt das Rüstzeug zur Verfügung, mit der die Menschheit in ein neues Zeitalter hinübergehen kann. Machen Sie sich den Kopf frei von alten, unbewiesenen Vorstellungen. Mit dem Prinzip der Einheit im Hintergrund werden Sie die Welt mit anderen Augen sehen, oder besser gesagt, sie wird Ihnen anders erscheinen.



Die Grundlagen


Die duale Welt - Die Erfahrung des Gegenübers


Das Gegenüber ist ein Glück. Das Andere macht uns reich. Der Gegenstand und das Gegenüber machen Schluß mit der Monotonie, die im raumlosen Nichts vor dem Urknall geherrscht haben mag, und entlassen uns in die Vielfalt und den Facettenreichtum der Welt. Das Prinzip der Dualität herrscht vor unseren Augen. Zum einen gibt es immer auch das andere. Wie schön! Wer möchte das Spiel der Geschlechter missen, wer den Wechsel von Tag und Nacht, von Regen und Sonnenschein, von Tätigkeit und Ruhe, wer den Weg vom Hier zum Dort, wer das Auf und Ab, das Hin und Her, Hunger und das gute Mahl, Durst und den kühlen Trunk. In jeder Lebensäußerung thront die Dualität als treibende Kraft. Wärme und Kälte, wie schön! Kein Atemzug ohne den Wechsel zwischen rein und raus, kein Herzschlag ohne Spannung und Entspannung, ohne Füllung und Austreibung. Kein Genuß, keine Lust ohne Austausch mit einem Gegenüber. Nehmen und Geben in dauerndem Wechsel, das ist Leben.

Seien wir froh, daß es das Gegenüber gibt. Nur die Welt des Gegenübers kann die Spannung aufbauen, die das Glück der Vereinigung möglich macht. Erst die Welt des Ich und Du, die Welt der Dualität, die Welt des Innen und Außen bietet die Möglichkeiten, die der Mensch für seine Entwicklung braucht. In ihr kann sich das menschliche Bewußtsein erweitern und entwickeln. Die äußere Welt ist der Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen können. Freuen wir uns darüber.

Doch gibt es Dinge auf dieser Welt, um die wir nicht froh sein können, Krieg, Übergriffe und Verletzungen aller Art, Mord und Totschlag, Krankheit und Siechtum. Die Ursache für all diese Absurditäten ist der Mensch, der sich auf einer niedrigen Bewußtseinsebene befindet. Auf dieser Ebene wird die Welt der Dualität nicht als möglicher Spiegel und Motor der Selbsterkenntnis erkannt, sondern als feindlicher Dschungel des Daseins gründlich mißverstanden. Der Gedanke der Trennung herrscht vor. Das Gegenüber wird nicht als anderer Aspekt des eigenen Menschseins, sondern als tatsächlich abgetrenntes, feindliches Wesen gesehen, gegen das man sich schützen und wehren muß. In letzter Konsequenz, das ist der starke Glaube, wird der Andere einen bestehlen, unterdrücken und ermorden. Es sei denn, man ist stärker, schneller und intelligenter. Im Grunde ist der Gedanke der Trennung ein Gedanke der Angst. Es ist die Angst des kleinen Menschen-Ich vor Auslöschung. Das Ego kennt nur sich selbst, will nur sich selbst beglücken, sich selbst erhalten, sich selbst vermehren. Die Anderen kennt das kleine und kleinliche Menschen-Ich nicht. Die Anderen sind die Feinde, die anderen Menschen, die Andersgläubigen, die Konkurrenten, die bösen Nachbarn, die wilden Tiere, die Natur, das Wetter. Um im Kampf des Lebens zu bestehen, sucht sich der Mensch zu stählen. Man bereitet sich auf den großen Kampf vor, hortet Geld, Macht, Waffen und Informationen. Die eigene Intelligenz wird auf das Äußerste bemüht, um alle möglichen Formen der Verteidigung zu bedenken und vorzubereiten. Irgendwann liegt der Gedanke nahe, den anderen zuerst anzugreifen, frei nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung, Krieg die beste Art, den Frieden zu bewahren. Der dauerhafte Friede ist im Denksystem der Trennung dann erreicht, wenn alle möglichen Feinde ausgeschaltet oder unterjocht sind. Das erklärte Ziel ist die Weltherrschaft, die Bündelung aller Macht und Kontrolle in einer Hand. Erst dann kann sich das Ego sicher fühlen.

Doch dieses Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Im Denksystem der Trennung gibt es keine Sicherheit. Wie aus dem Nichts erstehen immer neue Feinde und Bedrohungen. Das Denksystem der Trennung schafft sich die Feinde selbst, indem sie jeden und jedes als potentielle Bedrohung wahrnimmt. Die Überzeugung ist: das Böse ist in der Welt. Es tritt mir immer im Anderen gegenüber. Das Böse muß durch das Gute bekämpft werden. Das Gute ist immer in mir oder in uns. Die anderen sind die Bösen.

Das Denksystem der Trennung ist ein in sich geschlossenes System, das sich immer wieder selbst bestätigt. Ich erlebe das, was ich erwarte. Wer eine andere Welt erleben will, muß aus dem gesamten Denksystem aussteigen und den Gedanken der Trennung vollständig aufgeben.

Was aber ist die Alternative? Lernen Sie jetzt ein anderes Denksystem kennen, das sich, sobald es konsequent gedacht ist, ebenfalls selbst bestätigt: Das Denksystem der Einheit. Es hat den Vorteil, daß es das gesteckte Ziel eines friedvollen und erfüllenden Daseins in der Tat erreichen kann, weil es eine wahre Wirklichkeit abbildet, die Einheit eben. Doch das können Sie nur erfahren, wenn Sie den Gedanken der Trennung aufgeben und bereit sind, den Gedanken der Einheit zu denken.



Das Prinzip der Einheit


Das Prinzip der Einheit scheint dem Prinzip der Trennung diametral gegenüberzustehen. Es ist aber viel mehr als ein bloßes Gegenteil. Es übersteigt und umfaßt auch den Gedanken der Trennung, da die Einheit eben alles umfaßt und nichts ausschließt. Hier die Fakten:

Der Mensch lebt in der Ganzheit, ist mit allem verbunden und befindet sich in unabwendbarer Resonanz mit dem gesamten Universum. Alles ist miteinander verbunden und bildet somit eine Einheit. Die Einheit ist aber keine undefinierbare Ursuppe, in der alles wahllos vermischt ist, sondern ein durch klare Ordnungen funktionierendes Ganzes, in dem jedes Teil seinen Platz, seine Aufgabe und seinen Entfaltungsspielraum hat. Die Zusammengehörigkeit ist tief und geht so weit, daß das Ganze auch in jedem Teil enthalten ist. Der einzelne Teil steht deshalb mit allen anderen Teilen, auch den zeitlich oder räumlich fernsten, in Verbindung. Die Ganzheit spiegelt sich im Einzelnen. Das Einzelne findet sich im Ganzen.

Die Zusammengehörigkeit in der Einheit widerspricht unserer täglichen Erfahrung, daß es getrennte Individuen gibt, nur auf den ersten oberflächlichen Blick. Wenn man tiefer schaut, erkennt man, daß die Dualität, in der wir durchaus sinnhaft auf dieser Welt leben, durch die dahinterstehende Einheit ergänzt und im Wesentlichen bedingt wird. Die Dualität, das Gegenüber, die Gegensätze sind uns bestens bekannt. Das Prinzip der Einheit als Urgrund der uns erscheinenden Welt von Licht und Schatten müssen wir erst wieder kennenlernen. Aber die Mühe lohnt sich.

Von der Einheit ist nichts ausgenommen. Auch der Mensch gehört wie alles andere dazu. Die Einheit ist untrennbar. Allerdings gibt es innerhalb der Einheit Einzelteile, die von anderen Einzelteilen durch eine klare, aber durchlässige Grenze getrennt erscheinen.

Alle Einzelteile bestehen wiederum aus vielen kleineren Einzelteilen, der Mensch aus vielen Körperzellen, die Körperzelle aus vielen kleineren Teilen und so weiter. Auch in größeren Zusammenhängen gilt dieses Prinzip. So besteht jedes Volk aus vielen Menschen, die Menschheit aus vielen Völkern. Auch hier existieren mehr oder weniger klare Grenzen, die im besten und gesunden Fall auf beide Seiten hin durchlässig sind, auf der anderen Seite aber die Kontur des umschlossenen Teiles wahren.

Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Diese Dreiteilung der Einheit Mensch ist nur für den Verstand wichtig, um die einzelnen Teile separat betrachten und besser verstehen zu können. In Wirklichkeit gibt es auch auf dieser Ebene keine Trennung. Die drei Teile Körper, Seele und Geist bilden eine untrennbare Einheit. Wir können sicher sein, daß das, was dem einen Teil, z. B. dem Körper geschieht, gleichzeitig auch der Seele und dem Geist geschieht und umgekehrt. Man wird auf den verschiedenen Ebenen stets gleichzeitig Entsprechungen finden.

Der Mensch in seiner Gesamtheit mit Körper, Geist und Seele ist als Individuum wiederum Teil größerer Gesamtheiten. Er ist Teil der Familie, der Volksgruppe, der Nation, Teil der Menschheit, Teil des Ökosystems, der Tier- und Pflanzenwelt, der Erde mit ihren Elementen. Mit der Erde ist der Mensch Teil des Sonnensystems, Teil unserer Galaxie, Teil von ganzen Galaxiesystemen und darüber hinaus Teil von noch größeren materiellen Gesamtheiten, die wir noch nicht kennen, weil die technischen Möglichkeiten der Wahrnehmung dazu noch nicht entwickelt sind.

Das Prinzip der Einheit sagt nun, daß der Mensch mit all diesen Einzelteilen und Gesamtheiten eine Einheit bildet, also mit allem Existierenden in Verbindung steht. Mit manchen Teilen ist der Mensch innig verbunden, z. B. mit den Elementen, aus denen der Körper besteht. Mit anderen Teilen ist er durch durchlässige Membranen und Häute getrennt und gleichzeitig verbunden, wie z. B. mit anderen Menschen, der Luft, einem Baum oder einem Felsen. Neben den körperlich wahrnehmbaren Abgrenzungs- und Verbindungsflächen (Membranen und Häuten) gibt es auch auf geistiger Ebene unsichtbare Verbindungsstrukturen. Ein geistiges Kraftfeld, das wir nicht näher benennen können, umspannt, durchdringt und bedingt alles. Von diesem geistigen Kraftfeld gehen energetische Impulse aus, die Leben erst möglich machen und die alles Lebendige in jeder Sekunde mit wichtigen Informationen versorgen, um Leben aufrechtzuerhalten und zu entwickeln. Dieses geistige Kraftfeld existiert nicht nur außerhalb von uns, sondern ist auch vollständig in uns. Das gilt in verschiedener Ausprägung für alle Dinge und Lebewesen dieser Welt.



Circle of all


Starke Erkenntnisse brauchen starke Symbole. Das Symbol für das Prinzip der Einheit ist der Kreis, der „Circle of all“. Der Kreis ist ein archaisches Symbol: Die Sonne, der Mond, die Erde, der Menschenkreis um das Lagerfeuer, die Eizelle, der Zellkern, das Atom.

Das Prinzip der Einheit zu leben heißt, sich in den Kreis zu stellen. Im „Circle of all“ steht jeder mit demselben Recht. Niemand wird ab- oder aufgewertet. Jeder gehört auf dieselbe Art und Weise als Mensch dazu. Jeder gibt das, was er hat oder kann, zum Wohle aller in die Mitte.

Es ist egal, wo Sie sich befinden. Sie finden den „Circle of all“ überall, im Großen und Kleinen, in der Familie, im Freundeskreis, in der Kneipe, auf der Straße, am Arbeitsplatz, im Unternehmen und in den internationalen Beziehungen der Völker. Das Prinzip der Einheit gilt überall.

Im „Circle of all“ hat alles Platz. Alles ist Teil der Gesamtheit. Niemand und nichts wird ausgeklammert. Was das bedeutet, wird in den Kapiteln dieses Buches von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Wenn man das Prinzip der Einheit ernst nimmt, kann man sagen, daß der Mensch auch immer sein Gegenüber ist. Der Mensch ist auch der Andere, er ist der Mensch, der ihm gegenübersteht, er ist die Luft, die er atmet, die Nahrung, die er ißt, die Erde, aus der er geboren wurde, der Geist, der ihn erfüllt. Auf dieser hohen philosophischen Ebene gibt es keine Trennung. Die Einsicht, daß Trennung eine Illusion ist, daß alles zusammengehört, gilt sowohl für die emotionale wie auch für die körperliche Ebene. Es macht also Sinn, menschliches Leben in all seinen Facetten dahingehend näher zu betrachten, in welcher Form sich das Prinzip der Einheit zeigt und äußert. Das Ziel ist, die Allgemeingültigkeit dieses Prinzips im Einzelnen zu erkennen. Die Erkenntnisse, die Sie in diesem Buch finden, berühren den menschlichen Wesenskern, lassen alles in einem neuen Licht erscheinen und begründen eine Harmonie, in der der Mensch seit jeher lebt, die er jedoch vergessen hat. Erinnern wir uns! Bewußtsein ist der Schlüssel zum Glück.

Menschliches Bewußtsein wächst wie eine Pflanze. Zunächst ist es klein, mit der Zeit wird es größer. An dieser Stelle muß mit der weit verbreiteten Vorstellung aufgeräumt werden, daß wir zu einem gegebenen Zeitpunkt jeweils bereits auf dem Höhepunkt des Wissens angelangt sind. Das sind wir eben nie. Früher wußten wir weniger, später werden wir mehr wissen. Erst in der Rückschau erkennen wir das Fehlerhafte an den heutigen Überzeugungen. Hören wir auf, uns als fertige Wesen zu betrachten, die nichts Wesentliches mehr hinzulernen können. Wir stehen mitten in einer Entwicklung. Wir sollten alles, was wir heute zu wissen glauben, einer ernsthaften Prüfung unterziehen. Damit schaffen wir die Voraussetzung für weitere Entwicklung.

An dieser Stelle sind die Grundzüge menschlicher Entwicklung interessant. Dabei zeigt sich ein wiederkehrendes Muster.



Die Entwicklung des Menschen


Im Menschen ist ein Entwicklungsweg vom unwissenden Kind zur Meisterschaft des weisen Alten angelegt. Es handelt sich um eine Entwicklung des Geistes, um einen Erkenntnisweg. Im Kern geht es um die Bewußtseinserweiterung hin zur Erkenntnis, daß der Mensch in der Ganzheit lebt, mit allem verbunden ist und in unabwendbarer Resonanz mit dem gesamten Universum lebt. Das ist die Meisterschaft.

Die Entwicklung dorthin geht in zwei sich ergänzenden Qualitäten vor sich. Zum einen läßt sich eine allmähliche, in der Zeit fortschreitende Bewegung feststellen. Der Mensch erkennt die Welt immer mehr, je mehr Erfahrungen ihm das Leben im Laufe der Zeit zukommen läßt. Zum anderen kommt es in gewissen Abständen zu plötzlichen Bewußtseinsexplosionen, zu Quantensprüngen der Einsicht. Es fällt einem wie Schuppen von den Augen. Nach einem Quantensprung des Bewußtseins gibt es kein Zurück. Es ist nichts mehr, wie es war. Danach kann man nicht mehr so tun, als wüßte man nicht, was man weiß.

Diese beiden Qualitäten der menschlichen Entwicklung ergänzen sich und bedingen einander. Der Quantensprung wird durch eine allmählich fortschreitende Entwicklung vorbereitet. Es muß Erkenntnis gesammelt werden, Energie auflaufen, bevor es zum Durchbruch kommen kann. Der Quantensprung wiederum schafft durch den Sprung auf eine höhere Ebene die Voraussetzung für neues, qualitativ verändertes Erleben. Auf der höheren Bewußtseinsebene macht man andere Erfahrungen. Der Mensch hat neue Chancen, etwas zu erkennen. Die Summe der neuen Erkenntnisse bereitet nun wieder den nächsten Quantensprung vor und so weiter.

Dieses grundlegende Muster läßt sich parallel auch auf der körperlichen Ebene feststellen. Die Annäherung von Mann und Frau kann einen allmählichen, wenn auch durchaus wellenförmigen Charakter haben. Die Vereinigung von Samen- und Eizelle im Zeugungsakt aber hat alle Allmählichkeit verloren, sie geht blitzartig vonstatten. Vorher war der Embryo noch nicht. Jetzt ist er. Ein wahrer Quantensprung. Etwas völlig Neues ist entstanden. Es gibt kein Zurück. Eine neue, jetzt wieder allmähliche Entwicklung setzt ein, die Embryonalentwicklung hin zu einem neuen Menschen, der dann, Sie ahnen es, im Quantensprung der Geburt in eine neue Erlebniswelt ausgetrieben wird. Wieder gibt es kein Zurück.

Das geht so weiter und so fort über die verschiedenen Entwicklungsstufen bis hin zum Tod, dem großen Übergang, der den Zyklus dieser Inkarnation beschließt, aber seinerseits wie alle Übergänge Ende und Anfang zugleich ist. Er leitet die Entwicklung ein, die die nächste Wiedergeburt vorbereitet.

Wie Sie sicher wissen, gehen die plötzlichen Übergänge in der menschlichen Entwicklung nicht immer reibungslos vonstatten. Es gibt Widerstände und Einspreizungen, die der vorgesehenen Entwicklung entgegenstehen. Doch bevor wir uns den Störungen zuwenden, betrachten wir zunächst die gesunde, ideale Entwicklung des Wesens Mensch. Was ist notwendig, damit eine sanfte, freudige Entwicklung möglich wird? Es handelt sich um einen natürlichen Vorgang, also müßte er auch ohne Leid möglich sein.


Das Idealbild der menschlichen Entwicklung


Der individuelle Mensch ist nur zu verstehen im Hinblick auf die Gesamtheit, die Gesellschaft, die Menschheit, das große Ganze. Ohne die Erde, ohne die Pflanzen, ohne die Tiere, ohne die anderen ist der Mensch schlichtweg nicht denkbar. Er existiert nur in Bezug zu all den anderen. Wenn man das weiß, rückt sofort die Struktur ins Zentrum des Interesses, die das Individuum von allem anderen trennt, die Grenze. Wie muß die Grenzstruktur beschaffen sein, damit der einzelne Mensch in seiner Einzigartigkeit bestehen kann? Wie muß sie beschaffen sein, um im Kontakt mit der Umgebung eine ideale Entwicklung des Individuums zu gewährleisten? Und wie muß die Grenze des Individuums beschaffen sein, damit das große Ganze sich auf ideale Weise entwickelt?

Am besten zeigt sich das auf der körperlichen Ebene, über die dank der wissenschaftlichen Forschung detaillierte Erkenntnisse vorliegen. Schauen wir uns zunächst die Entwicklung des Embryos im Zeitraum zwischen den Quantensprüngen Zeugung und Geburt an. Auf dieser Ebene können wir die einzelne Zelle als Individuum betrachten und den Gesamtorganismus des werdenden Menschen als das Ganze.


Die materielle Ebene der Zelle


Die im Mikroskop ins Auge fallende Grenze der Körperzelle ist die Zellmembran. Sie ist gut sichtbar und gibt der Zelle Kontur und Halt. Sie hält zusammen, was zu einer guten Funktion zusammengehalten werden muß, den Zellkern und das Zellplasma. Damit die Zelle ihre Aufgaben wahrnehmen kann, deren Erfüllung für das Gelingen des ganzen Organismus notwendig ist, muß die Zellmembran eine wichtige Eigenschaft haben: Sie muß durchlässig sein. Sie muß alles reinlassen, was die Zelle zum Leben und zur Arbeit braucht, z. B. Sauerstoff und Zucker für die Energiegewinnung. Sie muß die Abfallstoffe durchlassen, die die Zelle nicht mehr braucht, z. B. Kohlendioxid und andere Abbauprodukte. Natürlich müssen auch die Produkte der Zelle die Membran problemlos passieren können, um dem Gesamtorganismus zur Verfügung zu stehen.

Zudem muß die Grenze offen sein für alle möglichen Arten der Informationsübertragung. Sie ist Kontaktorgan. Sie muß Boten erkennen und ihre Botschaft aufnehmen ... hallo, das ist ja ein Hormon, wir sollen also mehr Haare machen .... oh, da berührt mich eine andere Zelle, jetzt ist erst mal Schluß mit Vermehrung und Zellteilung, da sind schon genügend von uns da, und so weiter.

Das ist die sichtbare Grenze der Zellmembran.


Es gibt jedoch zelluläre Vorgänge, für die Informationen notwendig sind, die nicht über die Außenhaut der Zelle übertragen werden. Denn anfangs hat eine Embryonalzelle die besondere Aufgabe herauszufinden, in welche Zellart sie sich spezialisieren soll. Soll sie eine Knochenzelle, eine Leberzelle oder lieber doch eine Muskelzelle werden. Diese Information wird ihr nicht von außen über die Zellmembran durchgereicht. Die Information liegt in ihrer Mitte, im Zellkern. Dort liegen die Baupläne in der DNA aufgereiht wie auf einem Schnürchen. Das Problem ist nur, dort liegen alle möglichen Pläne für alle nur denkbaren Körperzellen bereit. Welcher Plan ist aber für die eine Zelle der richtige? Wer sagt es der Zelle? Woher kommt diese Information?

Da bereits alle Sequenzen der DNA im Zellkern entschlüsselt sind, man den materiellen Ort, der diese wichtige Information trägt, aber nicht gefunden hat, liegt die Vermutung nahe, daß die Zelle durch von außen zufließende Informationsimpulse gesteuert wird, wie eine Funkuhr durch unsichtbare, gesendete Impulse. Damit das vorstellbar wird, muß man die Existenz einer unsichtbaren energetischen Struktur fordern, in der ein genauer Ablaufplan für die embryonale Entwicklung und im Grunde für alle lebendigen Abläufe gespeichert ist. Wenn man das annimmt, werden plötzlich viele Vorgänge des Lebens verständlich, für die man bisher keine einleuchtende Erklärung hatte. Für die Embryonalentwicklung heißt das, daß die sich entwickelnden Zellen von energetisch-geistigen Informationsfeldern gepulst werden, um sich zu ihrem eigenen Wohl und zum Wohl des gesamten Organismus ideal entwickeln zu können. Damit dieser Informationstransfer reibungslos vonstattengehen kann, muß die unsichtbare Grenze zwischen Materie, hier der Zelle, und dem Geist, hier dem Informationspool für embryonale Entwicklung, extrem durchlässig sein. Die Information muß fließen und von der Zelle in materielle Strukturen umgesetzt werden.

Wir sehen an dieser Stelle, daß wir zwar die rein körperliche Ebene der Zellentwicklung betrachten wollten, aber zum vollständigen Verständnis der zellulären Vorgänge mit einer rein materiellen Sicht der Dinge nicht weiterkommen. Wir müssen die Möglichkeit der geistigen Informationsspeicherung und -übertragung miteinbeziehen. In der physikalischen Forschung ist das nichts Neues. Die enge Verbindung zwischen Materie und Geist (Energie) wurde durch die Erkenntnisse der Quantenphysik schon vor Jahrzehnten bewiesen. In die medizinische Forschung und das grundsätzliche Verständnis des Menschen seiner selbst und der gesamten Welt hat dieses Wissen jedoch noch kaum Einzug gehalten. Man tut so, als ob man noch nicht wüßte, was man weiß, nämlich daß alle Materie reine, geistige Energie ist und deshalb von geistigen Prinzipien gelenkt wird. Wir können nur deshalb noch immer so tun, als ob wir das nicht wüßten, weil wir uns als Menschheit noch in einer Phase der allmählichen Entwicklung befinden, am Ende dieser Entwicklung zwar, aber eben in einer stetigen Entwicklung, einer gemächlichen Fahrt durch die Zeit. Da kann man sich noch etwas vormachen. Doch stehen die Zeichen auf Sturm, ein Quantensprung kündigt sich an. So ganz gemächlich sind die Zeiten eben doch nicht mehr. Wann der nächste Quantensprung kommt, ist für den, den er betrifft, schwer vorherzusagen. Der Embryo weiß nichts von einer Geburt. Er glaubt, es ginge immer so warm und geborgen weiter. Er kennt es nicht anders. Auch wenn es jetzt manchmal eng wird und die Gebärmutter schon mal den Aufstand probt, wiegt sich das ungeborene Kind in Sicherheit. Es wird ja zwischenzeitlich wieder leichter. Aber von außen betrachtet ist alles klar. Der Bauch ist groß. Bald wird die Zeit da sein. Kein Zweifel!

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DR. MED. KARL-HEINZ RAUSCHER

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