„WEITERBILDUNG IN SYSTEMAUFSTELLUNGEN“


SACHBUCH


Autor: Karl-Heinz Rauscher



















Leseprobe


Vorwort


Fang an, sagte der Meister, dann wirst Du lernen.

Ich weiß noch zu wenig, sagte der Schüler.

Dann warte, sagte der Meister.

Wie lange, fragte der Schüler.

Bis Du anfängst, sagte der Meister.



Eigentlich könnte ich jetzt die Feder wieder weglegen und aufhören, ein Lehrbuch über Systemaufstellungen zu schreiben. Es scheint alles gesagt. Doch fange ich einfach an. So wie ich damals 1994 einfach angefangen habe, Familien aufzustellen.

Damals gab es noch keine strukturierten Weiterbildungsangebote. Die Familienaufstellung war gerade erst durch Gunthard Webers Buch „Zweierlei Glück“ einem größeren Kreis zugänglich geworden. Von systemischen Organisationsaufstellungen wußte man noch wenig. Jeder mußte selbst sehen, wo er Leute fand, bei denen er lernen konnte, wie Aufstellungen funktionieren und was man dazu braucht.

Ich habe mir damals ein zweijähriges Programm zurechtgeschneidert, um mich fortzubilden. Doch angefangen, selbst mit Familienaufstellungen zu arbeiten, habe ich bald.

Fang an, dann lernst du.

Heute hat sich die Szenerie geändert. Es gibt mittlerweile viele erfahrene Systemaufsteller, auch schon viele, die Weiterbildungskurse anbieten. Jeder Trainer lehrt auf seine Weise, die sich unabhängig von den anderen entwickelt hat. In diesem Buch möchte ich mein Wissen über die Kunst des Systemaufstellens zusammenfassen und weitergeben. Dabei gehe ich sowohl auf die Inhalte wie auch auf die Lehrprinzipien ein. Angesprochen sind also alle, die die Methode der Systemaufstellung in den verschiedenen Anwendungsgebieten erlernen wollen. Doch auch für den interessierte Laien kann sich die Lektüre dieses Buches lohnen.

Im Kreis derjenigen, die selbst Weiterbilder sind und daher bereits über einen eigenen Erfahrungsschatz in der Lehre verfügen, mag dieses Buch als Anregung und Kristallisationspunkt für weiteren kollegialen Austausch dienen.


An dieser Stelle gilt mein Dank meinen Lehrern, allen voran natürlich Bert Hellinger, dann Jakob Schneider, Gunthard Weber und nicht zuletzt Matthias Varga von Kibéd.


Einleitung


Die Methode der Systemaufstellung wurde von Bert Hellinger zunächst für die Psychotherapie in Familien entwickelt. Heutzutage dienen Aufstellungen in vielen Systemen zur Lösung von Problemen oder als Hilfe für Entscheidungen.

Mit erstaunlicher Geschwindigkeit hat sich die Familienaufstellung in den letzten zehn Jahren zunächst in Deutschland, dann auch in Europa und in Übersee verbreitet. Nach dem amerikanischen Kontinent hat das Familienstellen nun auch in Asien, in Rußland, in China, Taiwan und Japan Einzug gehalten. Nach wie vor ist es Bert Hellinger selbst, der die weltweite Ausbreitung der Methode tatkräftig fördert.

Auf der Empfehlungsliste der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Systemische Lösungen nach Bert Hellinger“ (IAG), die sich als Dachverband versteht, stehen derzeit 220 Therapeuten im deutschsprachigen Raum (Stand Februar 2003). Die Zahl derjenigen, die die Methode der Familienaufstellung nutzen, ist jedoch insgesamt bedeutend höher. Auch im Ausland steigt die Zahl der Anwender stetig.


In einer zweiten Welle verbreitet sich die Methode der Systemaufstellung in der Arbeit mit Organisationen, Unternehmen und beruflichen Systemen. Hier hat die Bewegung später eingesetzt, da der Wert und die Wirksamkeit der Methode erst Mitte der neunziger Jahre erkannt wurde. Doch auch auf diesem Gebiet ist absehbar, daß sich die Systemaufstellung breitflächig als wertvolle Methode in der Unternehmensberatung, im Management und in der Organisationsentwicklung etablieren wird. Wer gute Erfahrungen mit einer neuen Methode gemacht hat, will sie weiterhin nutzen.


Darüber hinaus gibt es weitere Anwendungsbereiche, die sich langsamer entwickeln und sich erst nach und nach erschließen. Ich möchte hier vor allem die großen Systeme der Volksgruppen und Staaten nennen, die eine besondere Rolle spielen, wenn wir für die ethnischen Konflikte, die unsere Erde immer wieder aufwühlen, Lösungen suchen. Hier sind Systemaufstellungen in experimentellen Arbeiten bereits angewandt worden. Ob sie bei der Lösung von internationalen Konflikten von bedeutendem Nutzen sein werden, wird die Zukunft zeigen. Doch haben sich durch die systemische Aufstellung von Konfliktparteien und den historischen Ereignissen, auf die diese Parteien bewußt oder unbewußt Bezug nehmen, bereits jetzt interessante Zusammenhänge gezeigt.

Systemaufstellungen haben überall dort Platz, wo der Mensch vor einem Problem steht, das er mit Hilfe seiner bisherigen Sichtweise nicht versteht und deshalb nicht lösen kann. So könnten sich Systemaufstellungen auch nützlich erweisen, die Hintergründe von Amokläufen besser zu verstehen und vielleicht auch einen Weg zu finden, sie hier und dort zu verhindern.


Ein weiterer Bereich, in dem es sich lohnt, systemisch zu denken, also das Nicht-Gesehene zu betrachten, ist die kreative Arbeit der Autoren von Theaterstücken und Drehbüchern, sowie die nicht minder kreative Arbeit von Regisseuren und Schauspielern. Auch hier haben Systemaufstellungen bereits wertvolle Hinweise und Hilfestellungen zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen. Wenn man bedenkt, welche Schlüsselstellungen Film und Fernsehen in unserer Gesellschaft haben, wird klar, daß es sich auch hier um einen wichtigen Bereich handelt.


Systemaufstellungen erhöhen die Kreativität in allen lebenden Systemen. Sie helfen, Blockaden zu lösen. Wenn man versteht, daß gestaute Energie eine der Hauptursachen für Krankheiten und Probleme aller Art im persönlichen und im öffentlichen Belang ist, wird deutlich, warum Systemaufstellungen so wirksam sind. Sie greifen dort ein, wo die Lebensenergie stockt, dort, wo sich etwas verschlossen hat, und dort, wo in kleinlichem Denken das Wesentliche übersehen wird.

Systemaufstellungen bringen in Bewegung und ins Fließen. So wird auch verständlich, daß jeder, der mit Systemaufstellungen arbeitet, selbst nicht anders kann, als sich stetig zu wandeln. Im Sinne dieser Wandlung, der ich nun schon seit fast zehn Jahren ausgesetzt bin, schreibe ich dieses Buch.


Um den Textfluß zu gewährleisten, wähle ich meistens die männliche Form, schreibe z.B. „Aufsteller“ statt „Aufsteller/In“. Es sind definitionsgemäß damit immer beide Geschlechter gemeint. Den Übersetzungsaufwand, den ich damit jeder Leserin abverlange, bitte ich zu entschuldigen. 


Zum Aufbau dieses Buches: Die Grundlagen werden im 1. Kapitel gelegt. Die verschiedenen Systeme, in denen sich Systemaufstellungen bisher bewährt haben, sind detailliert im 2. Kapitel beschrieben. Die Prinzipien der Weiterbildung einschließlich der Voraussetzungen für alle Beteiligten sind Thema des 3. Kapitels. Im wichtigen Praxisteil, der sich mit dem 4. Kapitel anschließt, werden die Vorgehensweise und die Werkzeuge in der direkten Arbeit mit Familienaufstellungen, die Besonderheiten der Unternehmensaufstellung und die Praxis der philosophischen Aufstellung gelehrt. Im 5. Kapitel wird mit Hilfe einer Aufstellung der Blick in die Zukunft gerichtet. Naturgemäß ergibt sich dabei eine Überraschung.

Der Überraschungsmoment ist einer der wichtigsten Aspekte bei Systemaufstellungen. Er wird den Leser durch das gesamte Buch begleiten. Viel Spaß beim Lesen! 

            

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DR. MED. KARL-HEINZ RAUSCHER

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